Das „g ewisse Etwas“
Als ich am 29.03.2010 gegen 12 Uhr in der Aula saß und darauf wartete, dass Bas Böttcher die Bühne betreten würde, war ich schon ein bisschen skeptisch. Genau genommen sehr. Ich hatte den Poetry-Slammer aus dem Deutschunterricht als nicht besonders sympathische Person in Erinnerung, er erschien mir arrogant und ich konnte auch seiner Lyrik nichts abgewinnen, der Humor und das „gewisse Etwas“ fehlten mir. Doch Bas Bötttchers Auftritt sollte mich genau vom Gegenteil überzeugen. Sein Vortrag zeichnete sich durch eine sehr sympathische Normalität aus: Der Poet war sichtbar aufgeregt, keineswegs der „große Künstler“ auf der Bühne, vielmehr fehlte jegliche Routine und das Publikum wurde mit einbezogen. Er trug ein breites Repertoire an Stücken vor und einige fand ich dann doch ganz originell und witzig. Seine Kreativität ließ sich nicht länger bestreiten. Auch während der Kommunikation mit dem Publikum zeigte sich Bas Böttcher humorvoll und ironisch. Auch hier schien er nicht so professionell, mehr authentisch, nah an uns zu sein.
Und genau das, denke ich, ist, was Slam-Poetry aus- und so besonders macht. Slam-Poetry wirkt nicht auf dem Papier oder auf einer DVD. Slam-Poetry wirkt und funktioniert nur im direkten Kontakt mit dem Publikum und genau dies ist das „gewisse Etwas“, das was mir gefehlt hatte.
Lena Mempel Klasse 10.3
„Dies ist kein Konzert“-Ein Schulbesuch des Slam-Poeten Bas Böttcher
„Poetry-Slam, was bitte ist das?“ Diese Frage stellten sich sicher einige Schüler, als es hieß, der Profi-Slammer Bas Böttcher würde am 29. März 2010 für zwei Unterrichtsstunden sein Programm vorführen.
Der Poetry-Slam bezeichnet im Wesentlichen einen literarischen Vortragswettbewerb, in dem selbstverfasste Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Das Publikum ernennt im Anschluss den Sieger. Diesmal jedoch gab es weder Sieger noch weitere Kandidaten.
Die Idee, einen Slam-Poeten in die Schule einzuladen, war wohl überlegt, denn so konnte jedem Schüler ein anderer Blickwinkel auf die Poesie gegeben werden. Selbst jenem, der sonst immer das Vorurteil der Eintönigkeit der Dichtkunst pflegte.
Schon Wochen vor dem Programm wurden wir Schüler der 10.3 mit Bas Böttcher und seiner Besonderheit, einen Rap-Lyrik-Mix zu kreieren, vertraut gemacht, weshalb mehrere Texte schon bekannt waren. Jedoch nahm man Bas Böttcher mit einem Mal anders wahr, als er einem im Unterricht vorgestellt wurde. Was im Unterricht via DVD als überhebliche Arroganz aufgefasst worden war, wurde von Text zu Text auf der Bühne immer mehr zu einer lockeren Selbstzufriedenheit, die nunmehr keinesfalls negativ aufzufassen ist. Ganz entscheidend dabei war sicherlich seine Körpersprache, die man auf keinen Fall über Aufnahmen so empfindet wie live. Die leicht verdaulichen, aber gleichzeitig tiefgründigen Gedichte trafen außerdem auf viel Zuspruch im Publikum, was die gesamte Atmosphäre noch ein wenig lockerte.
Gerade weil seine Texte und er selbst noch nicht den Reiz des Jungendlichen verloren haben, sprechen sie sowohl Alt als auch Jung an. Die Jungen werden mit ihrem Alltag und ihrer Zukunft konfrontiert und die Älteren mit ihrer Vergangenheit und möglicherweise ihrem Alltag.
Dadurch unterscheidet sich solch ein Poetry-Slam von einem Konzert. In einem Konzert kann man so lange nach einer Altersspanne von 60 Jahren suchen, wie man will. Es wird nicht funktionieren. Der Poetry-Slam könnte so gesehen sogar als eine Art Band zwischen Alt und Jung dienen, der Jugend wird die Schönheit der deutschen Sprache nähergebracht und dem Alter die Harmlosigkeit des Raps.
Dementsprechend ist solch ein Besuch eine lukrative Alternative zum Unterricht und lässt den Poetry-Slam in völlig neuem Licht dastehen.
Lisa Schmidt, 10.3
Poetry-Slam - Live
29.03.2010. 12 Uhr. Aula der Avh. Live-Auftritt von Bas Böttcher.
Die Aula ist verdunkelt und nur zwei Scheinwerfer beleuchten die Bühne. Dann wird der Vorhang zur Seite geschoben und Bas Böttcher erscheint.
Anfangs war ich recht skeptisch gegenüber dieser Veranstaltung, weil wir uns im Deutschunterricht bereits mit einigen seiner Poetry-Slam-Gedichte befasst und auch ein Video gesehen haben, in dessen Interview er mir nicht sehr sympathisch und auch etwas arrogant erschien. Doch seine Gedichte dann live auf der Bühne zu hören, war schon ein anderes Erlebnis. Dadurch, dass wir als Publikum direkt vor ihm saßen, konnte er uns ansprechen und in sein Programm mit einbeziehen. Zwischen seinen Gedichten plauderte er mit uns und bei einem Text forderte er uns sogar auf mitzumachen. Die Gedichte waren auch wirklich humorvoll und bei einigen Einfällen und Ideen staunte ich nicht schlecht, wie z.B. das Gedicht "Blumenblüten", in dem Blumen personifiziert werden, oder der Text, welcher durch verschiedene Betonungen eine andere Bedeutung bekam.
Somit war ich mit Vorurteilen in die Aula gegangen, aber nachdem ich diese beiseite legte und mich auf die Gedichte einließ, muss ich zugeben, dass Poetry-Slam doch nicht nur langweiliger Unterrichts-stoff ist und die Veranstaltung lohnenswert war.
Bas Böttcher

Poetry Slam
heißt sinngemäß Dichterwettstreit, dies bedeutet, dass zwei selbstgeschriebene Texte in einem literarischen Vortragswettbewerb dem Publikum vorgetragen werden. Der Dichter versucht mit Mimik, Rhythmik, Körpersprache und Betonung die Zuhörer von seinem Text zu überzeugen. Wem das am besten gelingt, der wird am Ende zum Sieger gekürt. Der erste und bekannteste deutsche Slam-Poet heißt Bas Böttcher. Seine sehr lebensnahen Texte findet man erst in einigen Deutschbüchern, denn Bas Böttcher verbindet das Tiefgründige mit dem Modernen. Er behandelt in seinen Dichtungen Liebe und Freundschaft, aber auch den Informationsfluss und den Konsum in unserer fortgeschrittenen Welt. Vorgetragen kann man seine Dichtungen im Internet oder auf DVD begutachten. Somit will Bas Böttcher Lyrik der Neuzeit Jugendlichen nahebringen. Mit Erfolg! Durch seine realitätsnahen Texte und seinen eindrucksvollen Performances findet der Poetry- Slam schnell neue Nachwuchstalente! Heutzutage werden rund 100 Poetry-Slam Veranstaltungen in Berlin durchgeführt! Auch der Deutschunterricht wird dank Bas Böttcher lockerer und interessanter!
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