|
Seite 2 von 3
Sweta, die russische Schülerin, bei der ich einquartiert war, wohnt wie viele ihrer Mitschüler in einer vorortähnlichen Siedlung, die etwas außerhalb gelegen ist. Aus diesem Grund waren wir auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, was jedoch kaum Probleme im Gegensatz zu Deutschland bedeutet. Da es weit weniger Autos gibt, was sicherlich auch mit der finanziellen Lage der Bevölkerung zusammenhängt, sind Staus selbst in der Hauptverkehrszeit eher eine Seltenheit.
Ebenso wird jedem auffallen, daß im Gegensatz zu Deutschland keine Fahrpläne an den Haltestellen zu finden sind, denn entweder fahren alle fünf Minuten Busse und Straßenbahnen oder sie fahren überhaupt nicht. Deshalb ist es auch nicht so schlimm, wenn man mal einen Bus verpaßt. Wenn wirklich nicht gleich der nächste kommt, so ist die Verkehrsanbindung so gut, daß man mindestens eine Ausweichmöglichkeit hat, zum Beispiel statt Bus dann eben den Trolleybus (ein Bus der über elektrische Oberleitungen fährt) oder die Straßenbahn zur Verfügung hat.
Trotz dieser fast lückenlos fahrenden Verkehrsmittel ist das einzig negative dieser Verlagerung auf die öffentlichen Verkehrswege, daß trotz häufigem Fahren von Bus und Bahn die Verkehrsmittel oftmals, besonders in den Spitzenzeiten, restlos überfüllt sind.
So macht es zum Beispiel sehr viel Spaß, bei 30' C in einem Bus Haut an Haut zu stehen, den Atem des Hintermannes im Nacken zu spüren( der "dezent" nach Knoblauch riecht) und neben einem eine grimmig aussehende, echt russische Babuschka, die nach einem Gemisch aus 50% Schweiß und 50% KO-gasähnlichem, erdrückend süßem Parfüm riecht.
Nach spätestens dem zweitem Erlebnis dieser Art steigt man dann trotz weiter Entfernungen auf das Laufen um oder man meidet diese Zeiten der extremen Überfülltheit.
Des weiteren fällt aber ins Auge, daß die öffentlichen Verkehrsmittel trotz ihres hohen Alters zwar oftmals nicht mehr besonders intakt sind, was sich gemeinsam mit dem oft rasanten Fahrstil des Fahrers und den schönen Schlaglöchern negativ auf das Fahrvergnügen auswirkt, sie aber trotzdem (so gut wie möglich) saubergehalten werden. Man findet nämlich in etwa 20 Jahre alten Bussen fast nie beschmierte aufgeschlitzte Sitze oder mit Kaugummis verzierte Fußböden (im Gegensatz zu manch neuer S-Bahn in Deutschland).
Diese Sauberkeit fällt zunehmend auch ins Auge, wenn man die unterirdisch angelegten Bahnhöfe der Metro betritt. Viele von diesen wurden schon in den 30er Jahren erbaut. Trotzdem sind sie hell und sauber, so daß sich die Fahrt mit der Metro, abgesehen von den Menschenmassen, immer angenehm gestaltet.
Die Bahnsteige sind sauber (trotz weniger Papierkörbe), man sieht keine Cola oder Bierdosen herumliegen, und was besonders auffällt, ob innen oder außen, die Bahnhöfe sind nicht mit bunten Graffities oder hohlen Sprüchen beschmiert. Vielleicht liegt diese Ordnung in der Natur der Menschen, denn sie müßten mit den beschmierten Bahnhöfen leben, und sicherlich auch in dem Bewußtsein, daß diese Bahnhöfe als Wahrzeichen vieler russischer Städte so erhalten werden wie sie sind, sauber und angenehm.
|